Sie werden beobachtet oder Ihr Gerät wird kontrolliert? Hinweise zum sicheren Surfen

Psychische Gewalt in der Beziehung – was Sie rechtlich tun können

Autor: Volljurist Kai Lange · Stand: November 2026

Kurzantwort: Psychische Gewalt ist nicht in einem einzelnen Paragrafen geregelt. Rechtlich greifen vor allem das Gewaltschutzgesetz (§§ 1, 2 GewSchG), die Strafnormen zu Nachstellung (§ 238 StGB) und Bedrohung (§ 241 StGB) sowie im Familienverfahren das Kindeswohl. Entscheidend sind Beweise, die rechtmäßig gesichert wurden.

Was gilt rechtlich als psychische Gewalt?

Im Alltag meint psychische Gewalt Verhalten, das einen Menschen gezielt einschüchtert, kontrolliert oder herabsetzt: Drohungen, ständige Überwachung, Demütigungen, Isolation vom Umfeld oder das Verdrehen von Tatsachen (siehe Gaslighting). Ein eigener Straftatbestand „psychische Gewalt“ existiert in Deutschland nicht.

Rechtlich wird das Verhalten deshalb an einzelnen Vorschriften gemessen, zum Beispiel:

  • Bedrohung (§ 241 StGB), Nötigung (§ 240 StGB), Beleidigung (§ 185 StGB)
  • Nachstellung, etwa ständige Anrufe, Nachrichten oder Auflauern (§ 238 StGB)
  • im Zivilrecht: Drohungen, Nachstellen und unzumutbare Belästigung nach dem Gewaltschutzgesetz (§ 1 Abs. 2 GewSchG)

Die Istanbul-Konvention verpflichtet Deutschland, psychische Gewalt zu erfassen. Mehr dazu unter Istanbul-Konvention.

Typische Muster nach einer Trennung

Betroffene von mutmaßlich narzisstischen Ex-Partnern berichten häufig von denselben Mustern. Sie sind keine Diagnose, aber rechtlich relevant, wenn sie dokumentiert sind:

  • eine Flut von Nachrichten und Anrufen, auch über Dritte
  • Drohungen, Ihnen die Kinder wegzunehmen oder Sie „fertigzumachen“
  • Verleumdungen im Freundeskreis, beim Arbeitgeber oder beim Jugendamt
  • Kontrolle über Geld, Unterlagen oder gemeinsame Konten

Weitere Muster finden Sie unter Taktiken nach der Trennung und Stalking nach der Trennung.

Beweise sichern – und was verboten ist

Ohne Belege bleibt psychische Gewalt vor Gericht Aussage gegen Aussage. Hilfreich sind:

  • ein Tagebuch mit Datum, Uhrzeit, Ort und Wortlaut der Vorfälle
  • Screenshots von Nachrichten mit sichtbarem Datum und Absender; Originale nicht löschen
  • ärztliche Atteste über Folgen wie Schlafstörungen oder Angst
  • Zeugen, die Vorfälle selbst erlebt haben

Nicht erlaubt ist, Gespräche heimlich aufzunehmen. Das ist strafbar (§ 201 StGB) und kann Ihre Glaubwürdigkeit im Verfahren beschädigen. Mehr unter Beweise sichern.

Gewaltschutzantrag und Kontaktverbot

Das Gewaltschutzgesetz schützt nicht nur vor körperlicher Gewalt. Auch bei Drohungen oder wiederholtem Nachstellen gegen Ihren ausdrücklichen Willen kann das Familiengericht Schutzanordnungen treffen (§ 1 Abs. 2 GewSchG). Möglich sind unter anderem Kontakt- und Näherungsverbote, auch über Telefon und Messenger. Die Anordnungen sind befristet; in eiligen Fällen entscheidet das Gericht im Eilverfahren. Ein Verstoß gegen eine Schutzanordnung ist strafbar (§ 4 GewSchG). Mehr unter Gewaltschutzantrag und Kontaktverbot.

Anzeige erstatten

Eine Strafanzeige können Sie bei jeder Polizeidienststelle oder bei der Staatsanwaltschaft stellen. Ob ermittelt und angeklagt wird, entscheidet die Staatsanwaltschaft. Ein Strafverfahren dauert oft lange und ersetzt keinen Gewaltschutzantrag; beides kann nebeneinander laufen. Wer Anzeige erstattet, kann die eigene Dokumentation mitbringen.

Auswirkungen auf Sorge- und Umgangsrecht

Gewalt gegen einen Elternteil betrifft auch die Kinder. Das Familiengericht muss sie bei Entscheidungen über Sorge und Umgang berücksichtigen, denn Maßstab ist das Kindeswohl. Mögliche Folgen sind ein begleiteter Umgang oder eine Übertragung von Teilen des Sorgerechts. Mehr unter Sorgerechtsstreit mit Narzissten.

Bei akuter Gefahr wählen Sie den Notruf 110.

Häufige Fragen

Ist psychische Gewalt strafbar?

Einen eigenen Straftatbestand gibt es nicht. Strafbar sind aber zum Beispiel Bedrohung (§ 241 StGB), Nötigung (§ 240 StGB) und Nachstellung (§ 238 StGB).

Reicht ein Chatverlauf als Beweis?

Er ist ein wichtiges Beweismittel, vor allem mit sichtbarem Datum und Absender. Am stärksten wirkt er zusammen mit einem Tagebuch, Attesten oder Zeugen.

Hilft ein Gewaltschutzantrag auch ohne körperliche Gewalt?

Ja. Auch bei Drohungen oder wiederholtem Nachstellen gegen Ihren ausdrücklichen Willen kann das Familiengericht Schutzanordnungen treffen (§ 1 Abs. 2 GewSchG).

Darf ich Gespräche aufnehmen?

Nicht heimlich. Das heimliche Aufnehmen des nichtöffentlich gesprochenen Wortes ist strafbar (§ 201 StGB).

Wirkt sich psychische Gewalt auf das Sorgerecht aus?

Sie kann sich auswirken, weil das Familiengericht nach dem Kindeswohl entscheidet. Mögliche Folgen sind begleiteter Umgang oder die Übertragung von Teilen des Sorgerechts.

Unterstützung durch Rechtsanwalt Christian Alexander

Die Kanzlei von Rechtsanwalt Christian Alexander bearbeitet seit 2021 bundesweit überwiegend Narzissmus-Fälle. Schildern Sie uns Ihre Situation über das Kontaktformular. Nach Ihrer Anfrage erhalten Sie eine Mitteilung zu den entstehenden Kosten für eine Erstberatung. Erstberatung bevorzugt per Video.

Zum Kontaktformular

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Ob und wie ein Antrag Aussicht hat, hängt immer von den konkreten Umständen ab.

Hamburg 040 228 635 74 München 089 255 44 535 Köln 0221 476 708 70
Erstberatung anfragen