Autor: Volljurist Kai Lange · Stand: November 2026
Kurzantwort: Das Aufenthaltsbestimmungsrecht (ABR) ist der Teil der elterlichen Sorge, der festlegt, wo das Kind lebt (§ 1631 Abs. 1 BGB). Bei gemeinsamem Sorgerecht steht es beiden Eltern zu; über einen Wechsel des Lebensmittelpunkts müssen sie sich einigen (§ 1687 Abs. 1 BGB). Gelingt das nicht, entscheidet auf Antrag das Familiengericht nach dem Kindeswohl (§ 1671 BGB).
Was bedeutet Aufenthaltsbestimmungsrecht?
Das Aufenthaltsbestimmungsrecht gehört zur Personensorge (§ 1631 Abs. 1 BGB). Wer es innehat, bestimmt den Lebensmittelpunkt des Kindes: bei welchem Elternteil es wohnt, in welcher Stadt und ob es ins Ausland zieht. In Gerichtsakten und beim Jugendamt wird es oft mit „ABR“ abgekürzt.
Vom Umgangsrecht ist es zu unterscheiden. Das ABR regelt, wo das Kind lebt; das Umgangsrecht regelt, wann es den anderen Elternteil sieht (§ 1684 BGB).
Wer hat das Aufenthaltsbestimmungsrecht?
- Verheiratete Eltern haben das Sorgerecht und damit das ABR gemeinsam, auch nach Trennung und Scheidung.
- Bei unverheirateten Eltern hat die Mutter das Sorgerecht allein, wenn keine Sorgeerklärungen abgegeben wurden und kein Gericht die gemeinsame Sorge angeordnet hat (§ 1626a BGB).
Eine Trennung ändert daran nichts. Einigen sich die Eltern über den Lebensmittelpunkt, üben sie das ABR gemeinsam aus. Allein auf einen Elternteil übertragen kann es nur das Familiengericht (§ 1671 BGB).
ABR bei gemeinsamem Sorgerecht: Was darf ich allein entscheiden?
Leben die Eltern getrennt, unterscheidet das Gesetz zwei Arten von Entscheidungen (§ 1687 Abs. 1 BGB):
| Art der Entscheidung | Wer entscheidet | Beispiele |
|---|---|---|
| Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung | beide Eltern gemeinsam | Wechsel des Lebensmittelpunkts, Umzug in eine andere Stadt oder ins Ausland, Wahl der Schule |
| Angelegenheiten des täglichen Lebens | der Elternteil, bei dem das Kind lebt | Tagesablauf, Freizeit, Besuche bei Freunden, gewöhnliche Arztbesuche |
Wo das Kind lebt, ist immer eine Angelegenheit von erheblicher Bedeutung. Einigen sich die Eltern nicht, kann keiner von beiden allein darüber bestimmen.
Aufenthaltsbestimmungsrecht bei Trennung
Nach einer Trennung lebt das Kind meist zunächst bei einem Elternteil. Das ist eine tatsächliche Lage, keine rechtliche Entscheidung. Wer ohne Zustimmung des anderen mit dem Kind wegzieht, riskiert, dass das Familiengericht das ABR dem anderen Elternteil überträgt, der dann die Herausgabe des Kindes verlangen kann.
Besser ist eine schriftliche Einigung, auf Wunsch mit Unterstützung der Beratung beim Jugendamt. Gelingt sie nicht, kann jeder Elternteil beim Familiengericht beantragen, dass ihm das ABR allein übertragen wird. Wie das geht, lesen Sie unter Aufenthaltsbestimmungsrecht beantragen.
Teilweise statt ganz: Warum oft nur das ABR übertragen wird
Das Gericht kann die elterliche Sorge ganz oder nur teilweise auf einen Elternteil übertragen (§ 1671 Abs. 1 BGB). Geht der Streit nur um den Wohnort, überträgt es häufig nur das ABR. Für Schule, Gesundheit oder Behörden bleibt es dann bei der gemeinsamen Sorge. Mehr dazu unter alleiniges Sorgerecht beantragen.
ABR und ein mutmaßlich narzisstischer Elternteil
Streit um den Wohnort wird schwieriger, wenn ein Elternteil Entscheidungen blockiert, Absprachen bricht oder mit einem Umzug droht. Das Familiengericht stellt keine Diagnose. Es prüft, welcher Elternteil die Kontinuität für das Kind sichert und den Kontakt zum anderen Elternteil zulässt. Halten Sie Vorfälle sachlich fest; heimliche Aufnahmen nichtöffentlich gesprochener Worte sind strafbar (§ 201 StGB). Mehr unter Sorgerechtsstreit mit Narzissten.
ABR und Umgang
Wer das ABR allein hat, muss den Umgang mit dem anderen Elternteil trotzdem ermöglichen. Beide Eltern haben alles zu unterlassen, was das Verhältnis des Kindes zum anderen Elternteil beeinträchtigt (§ 1684 Abs. 2 BGB). Ein geplanter Umzug ins Ausland ist eine eigene Frage, siehe Umzug ins Ausland.
Häufige Fragen
Was bedeutet ABR?
ABR ist die Abkürzung für Aufenthaltsbestimmungsrecht. Es ist der Teil der elterlichen Sorge, der festlegt, wo und bei wem das Kind lebt (§ 1631 Abs. 1 BGB).
Wer hat das Aufenthaltsbestimmungsrecht bei gemeinsamem Sorgerecht?
Beide Eltern gemeinsam. Über den Lebensmittelpunkt des Kindes müssen sie sich einigen; gelingt das nicht, entscheidet auf Antrag das Familiengericht (§ 1671 BGB).
Darf ich mit meinem Kind umziehen, wenn wir das gemeinsame Sorgerecht haben?
Ein Umzug, der den Lebensmittelpunkt des Kindes verändert, etwa in eine andere Stadt, braucht die Zustimmung des anderen Elternteils oder eine Entscheidung des Familiengerichts.
Ist das Aufenthaltsbestimmungsrecht dasselbe wie das Sorgerecht?
Nein. Das ABR ist nur ein Teil der elterlichen Sorge. Das Gericht kann es allein übertragen, während die übrige Sorge gemeinsam bleibt.
Ab welchem Alter darf das Kind mitentscheiden?
Ein festes Alter gibt es nicht. Das Gericht hört das Kind grundsätzlich persönlich an (§ 159 FamFG), und sein Wille gewinnt mit dem Alter an Gewicht. Ab 14 Jahren kann das Kind einer einvernehmlichen Übertragung widersprechen (§ 1671 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 BGB).
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Ob und wie ein Antrag Aussicht hat, hängt immer von den konkreten Umständen ab.